Positionsabhängiger Bandscheibenprolaps im Bereich der HWS

Fallstudie #9

Die hier vorgestellte 44-jährige Patientin klagt seit ca. einem Jahr über Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule mit Ausstrahlungen in den Kopf und in das Gesicht. Die Beschwerden bestünden hauptsächlich in aufrechter Position, besonders stark bei Rückneigung. Die klinische Untersuchung ergab den Verdacht auf eine Nervenwurzelkompression bei C7.

Eine durchgeführte konventionelle kernspintomographische Untersuchung im Liegen ergab eine Protrusion (ca. 3mm) bei HWK 5/6 ohne wesentliche Einengung des Spinalkanals und ohne Beeinträchtigung der Nervenwurzeln.

Aufgrund der anhaltenden Beschwerden wurde eine Upright-Kernspintomographie durchgeführt, unter der natürlichen Gewichtsbelastung der Halswirbelsäule mit zusätzlichen Funktionsaufnahmen in Inklination und Reklination.

Sagittale Aufnahmen im Sitzen: Inklination und Reklination


Sagittale Aufnahme im Sitzen in neutraler Haltung


Axiale Aufnahme im Sitzen in neutraler Haltung


Der Befund: Die Upright-MRT Untersuchung wurde im Sitzen durchgeführt, aufrecht und unter der natürlichen Gewichtsbelastung. Die Aufnahmen in Neutralstellung zeigen einen medianen / mediolateralen bis nach intraforaminär links einstrahlenden Bandscheibenprolaps mit Kompression des Myelons sowie auch einer Kompression und Verdrängung der Nervenwurzel C7 links interspinal. Die Bandscheibe überragt das Wirbelkörperniveau dorsal um 5mm. Dadurch verringert sich der ventrodorsale Durchmesser der zentralen Anteile des Spinalkanals auf 6mm.

In den Funktionsaufnahmen ergab sich in der Inklinationsposition eine Größenabnahme des Bandscheibenprolaps mit Zunahme der Weite der zentralen Anteile des Spinalkanals auf 8mm.

Die Funktionsaufnahmen in Reklination zeigten eine deutliche Größenzunahme des Bandscheibenbefundes, vor allem auch in kraniokaudaler Ausdehnung mit deutlicher Vorwölbung des hinteren Längsbandes. Zusätzlich zeigte sich auch eine Prominenz der Ligamenta flava, womit sich in der Summe eine zentrale Einengung des Spinalkanals auf 4,5 mm ergab.

Durch die Funktionsuntersuchung im Upright-MRT, aufrecht unter der natürlichen Gewichtsbelastung konnte die Ursache für die Beschwerden eindeutig diagnostiziert werden. Der klinische Verdacht auf eine Nervenwurzelkompression konnte bestätigt werden, zusätzlich konnte eine positionsabhängige Kompression des Myelons nachgewiesen werden.